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Die Jugend von heute!
In Castrop-Rauxels hat die Jugend eine Stimme: Zweimal im Jahr kommen die rund 80 „Abgeordneten“ des Kinder- und Jugendparlaments im Ratssaal der Stadt zusammen. Foto: privat

Die Jugend von heute!

Lesedauer: ca. 3 Min. | Text: Jakob Surkemper

Sie sind jung, sie sind engagiert und sie haben ihren eigenen Blick auf die Welt – wir stellen junge Menschen aus dem Vest vor.

Annemarie Starke (16), Cleo Isbruch (15) und Tara Ivkovic (13) krempeln die Ärmel hoch und greifen zu Pinsel und Rolle. Heute streichen sie den Raum ihres Jugendforums in BoGi’s Café neu. „Hüterin der Freiheit“ lautet der klangvolle Name der Farbe. Und der passt ja auch irgendwie, denn schließlich geht es um Mitbestimmung beim Jugendforum. Es ist eine von mehreren Gruppen, in die das KiJuPa unterteilt ist, vergleichbar mit den Gremien im Stadtrat. Nicht immer geht es darin um große Entscheidungen; oft wird praktisch angepackt, wie heute oder neulich bei der Gestaltung der Toilettenhäuschen am Spiel- und Sportpark Castroper-Holz, berichten die Mädchen.

Cleo erinnert sich noch gut und gerne an die gemeinsamen Aktivitäten mit den Jugendlichen aus Vincennes, der französischen Partnerstadt Castrop-Rauxels, und freut sich schon auf den Gegenbesuch. Im Vorfeld der Kommunalwal im September gab es ein Speeddating mit Politikern, ergänzt Rosalie Starke, die das Jugendforum seitens der Stadt leitet. Auch beim „Red Hands Day“, dem internationalen Aktionstag gegen Kindersoldaten, beteiligte sich das Jugendforum. Die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz ist allen dreien ein Anliegen.

Cleo engagiert sich schon, seit sie in die zweite Klasse geht. „Meine Klassenlehrerin merkte damals, dass ich mich für Politik interessiere, und sprach mich an. Und es hat sofort Spaß gemacht“, erinnert sich die heute 15-Jährige, die aktuell die 9. Klasse des Adalbert-Stifter-Gymnasium besucht. Bei Annemarie, die eine Stufe über ihr ist, war es ähnlich: Sie ist seit der dritten Klasse dabei. „Ich hatte das Gefühl, dass Kinder nicht genug gehört werden in der Politik. Das wollte ich ändern“, sagt sie zu ihrer Motivation, sich zu engagieren.

26.01.2026
Castrop-Rauxel 
Kinder und Jugendparlament 
Neugestaltung des Raumes 
Annemarie Starke ( helles Shirt ) , Tara Ivkovic ( braunes Shirt )  und Cleo Isbruch ( blauer Anzug  ) 
foto: copyright  marco stepniak  -  
mobil  +49 171 2771906 ,  marco@stepniak-bild.de
Foto: Marco Stepniak

Institution KiJuPa

Jede Schule, jedes Jugendzentrum und jeder Sportverein in Castrop-Rauxel darf zwei Vertreter ins KiJuPa entsenden, die in unterschiedlichen Gruppen aktiv sind. Fast jeden Tag trifft sich eine dieser Gruppen, meist im Jugendzentrum BoGi’s Café. Sie beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit Kinderrechten (Mi., 16.30 bis 18 Uhr), Freizeit und Kultur (Di. 16.30 bis 18 Uhr), Verkehr und Stadtentwicklung (Fr. 16 bis 17.30 Uhr im Marcel-Callo-Haus), Umwelt- und Zukunft (Do., 17 bis 18.30 Uhr) oder mit Schulthemen (Mi., 17 bis 18.30 Uhr). Die etwas Älteren wie Cleo, Annemarie und Tara kommen immer montags von 17 bis 18 Uhr im Jugendforum zusammen, das derzeit 15 Mitglieder hat. Zweimal im Jahr tagen außerdem alle rund 80 „Abgeordneten“ des KiJuPa im Ratssaal. Dort stimmen sie über aktuelle Anträge aus den einzelnen Gruppen ab. Die Anträge gehen dann in die Stadtverwaltung zur Entscheidung und ggf. Bearbeitung. So gab es zuletzt etwa den Antrag zur Errichtung eines Wasserspenders an der Cottenbergschule oder einer Gedenktafel für Kinder am Standort der früheren Synagoge auf dem Simon-Cohen-Platz.

Mit statt über uns entscheiden

Darüber hinaus ist das Kinder- und Jugendparlament mit jeweils zwei Mitgliedern im Jugendhilfeausschuss und im KiJuPa-Rat NRW vertreten. Es soll bei allen Maßnahmen der Verwaltung und der bürgerschaftlichen Gremien, die die Interessen von Kindern und Jugendlichen berühren, beteiligt sein. Allerdings haben die Kinder und Jugendlichen dort nur beratende Funktion und kein Stimmrecht. „Immerhin“ findet Annemarie. „So haben wir die Chance, gehört zu werden.“ Die Politik sollte nicht über sie, sondern mit ihnen entscheiden.

26.01.2026
Castrop-Rauxel 
Kinder und Jugendparlament 
Neugestaltung des Raumes 
Annemarie Starke ( helles Shirt ) und Cleo Isbruch ( rotes Shirt   ) 
foto: copyright  marco stepniak  -  
mobil  +49 171 2771906 ,  marco@stepniak-bild.de
Jung und engagiert: Annemarie (l.) und Cleo sind schon seit der Grundschulzeit im KiJuPa aktiv. Foto: Marco Stepniak

Und was ließe sich konkret für Kinder und Jugendliche in Castrop-Rauxel verbessern? Für Kinder sei das Angebot schon sehr gut, findet Cleo. Auch Sportangebote gebe es reichlich, so die 15-Jährige, die selbst fast täglich Korfball oder Tennis spielt. Aber für Jugendliche fehlten Orte, wo sie sich in Eigenregie und ohne Beobachtung von Erwachsenen aufhalten könnten. Die vorhandenen Jugendzentren erweckten nicht immer den Eindruck, dass man einfach hingehen kann – abseits von Veranstaltungen oder eines bestimmten Programms, führt Annemarie aus. „Wir brauchen auch mehr interkulturelle Angebote, wo die Menschen zusammenkommen und Vorurteile abbauen können“, findet die 16-Jährige. Beiden macht der der augenblickliche Rechtsruck Sorgen.

Und wo geht die Reise beruflich hin? Während Annemarie noch unsicher ist, sich aber vorstellen könnte, Journalistik, Politik oder Psychologie zu studieren, weiß Cleo ziemlich genau, wo es hingehen soll: „Ich will Medizin studieren, wie mein Vater und meine Schwester und Menschen helfen, ein langes, gesundes Leben zu leben.“ 

Info
KiJuPa Castrop-Rauxel

Bianca Ploch
Tel. 02305 891028
kijupa@castrop-rauxel.de

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