Blue begrüßt uns am Eingangsgitter mit lautem Gebell. fremde mag sie gar nicht. auch bei Bella ist Abstand geboten – dabei sieht die langhaarige Hündin – ein Hütehund-Mix – so freundlich aus. Beide Hunde haben keine schöne Vergangenheit. im Tierheim Castrop-Rauxel werden sie artgerecht versorgt, gefördert, gefordert – und geliebt.
Ziel ist ein neues Zuhause. „Aber nicht um jeden Preis“, betont die zweite Vor- sitzende Kristina Rummeld. Bei ihr ist Blue lammfromm. „Ich bin ein Mensch-Hund-Mix“, lacht die überzeugte Hundefreundin. „Mit dem richtigen Umgang und Verständnis sind auch schwierige Hunde zu händeln und sehr liebens- wert.“ Seit sie vor Jahren einen unerzogenen und einen bissigen Münsterländer aus dem Castro- per Tierheim bei sich aufgenommen hatte, gehört ihr Herz dem Tierheim, das auch für Waltrop zuständig ist.
Zusammen mit dem 1. Vorsitzenden, dem ehemaligen Bürgermeister Johannes Beisenherz, gibt sie Tiere erst nach langem „Beschnuppern“ in die Hände neuer Besitzer. „Wir müssen überzeugt sein, dass die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten vorhanden sind, um mit einem schwierigen Hund umgehen zu können.“ Denn wenn Hunde anschließend wieder zurück ins Tierheim kommen, hat ihre Seele weiter Schaden genommen.
Keine leichtfertige Vermittlung
„Vor 14 Tagen geht auch kein ‚einfaches‘ Tier hier raus“, sagt Johannes Beisenherz. Auch bei Katzen und Kleintieren prüfen sie das künftige Zuhause. Bei Hunden ist vorheriges Gassigehen Voraussetzung für eine Vermittlung, ebenso die Teilnahme am Training. „Das gilt auch für erfahrene Hundehalter. Denn jeder Hund ist anders, und unsere haben häufig durch schlechte Erfahrungen ihre Eigenarten“, so Kristina Rummeld. Manche wollen zu schnell zu viel von dem Hund, wollen es erzwingen. Dann klappt es nicht. „Die Hunde brauchen Zeit. Man muss sie ‚lesen‘ können, denn sie können ihre Vergangenheit nur über ihr Verhalten mitteilen.“ Der Erfolg gibt ihrem verantwortlichen Handeln recht: Viele Menschen haben in der Corona-Einsamkeit spontan Tiere gekauft, die dann später lästig und zu anstrengend wurden oder nicht mehr in den normalen Alltag passten. Sie landeten irgendwann im Tierheim. „Unsere Hunde aber, die wir in dieser Zeit vermittelt haben, sind nicht wieder zurückgekommen.“
Zurzeit kümmern sich unter Leitung von Bärbel Marks sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um 20 Hunde, 30 Katzen und 20 Kaninchen und Meerschweinchen im Tierheim am Deininghauser Weg 45, darunter ordnungsrechtliche Sicherstellungen oder Beschlagnahmungen, Fund- oder Abgabetiere wegen Tod, Krankheit, oder Wohnungswechsel.
Wichtige Kopfarbeit für Vierbeiner
15 bis 20 Ehrenamtliche schenken ihre Zeit und Liebe den Tierheimbewohnern: Sie spielen mit den Katzen, gehen mit den Hunden Gassi und auf die Trainingswiese, übernehmen Patenschaften. Vier- bis fünfmal am Tag haben die Tiere Auslauf oder gehen Gassi. Johannes Beisenherz` Favorit ist Spike, ein hübscher Labrador mit einem Trauma und Epilepsie. Auf der Wiese laufen beide Slalom um Stangen, spielen Ball, trainieren Sitz, Platz und Suchaufgaben. „Das ist wichtige Kopfarbeit“. Sogar ein Auto steht auf der Trainingswiese. „Hier üben wir einsteigen und über eine Rampe in den Kofferraum gehen.“ Auch Pensionshunde nimmt das Tierheim auf – wenn Platz ist. Doch meistens ist es das Gegenteil. Deshalb sind zehn weitere Hundeboxen geplant. Und eine mobile Hundeschule, um die Erfahrung im Umgang mit schwierigen Hunden weiterzugeben. Kristina Rummeld: „Ist ihr Herz einmal gewonnen, ist ihre Liebe riesengroß.“