Der Stadtrat, der im Mai 1926 zum ersten Mal für die neu gegründete Stadt Castrop-Rauxel zusammentraf, tat das nicht aus einem Zusammengehörigkeitsgefühl heraus, sondern weil das Gesetz über die Neuregelung der kommunalen Grenzen im rheinisch-westfälischen Industriebezirk kaum andere Möglichkeiten zuließ.
100 Jahre später hat die Stadt eine eigene Identität zwischen den Ruhrgebietsmetropolen gefunden und bietet neben der Verbundenheit zu den Stadtteilen auch Heimat für mehr als 75.000 Menschen.
Bei der „Historischen Ratssitzung“ in der vergangenen Woche, die den 100. Geburtstag des Rates in einer kleinen Feierstunde würdigte, holten die teilnehmenden Ratsvertretenden, das nach, was vor 100 Jahren an Begeisterung für die neue Stadt Castrop-Rauxel nicht zu finden war: „Lassen Sie uns die Solidarität bewahren, die uns durch schwierige Zeiten führt. Lassen Sie uns den Zusammenhalt stärken, der uns als Gemeinschaft ausmacht. Lassen Sie uns die Familien unterstützen, die das Herz unserer Stadt bilden. Lassen Sie uns die Kultur fördern, die uns verbindet und inspiriert. Und lassen Sie uns Räume für Freizeit und Erholung schaffen, die das Leben lebenswert machen. Denn eine Stadt lebt nicht von Mauern, sondern von Menschen. Und diese Menschen sind es, die Castrop-Rauxel zu dem machen, was es ist: ein Ort der Gemeinschaft, der Menschlichkeit und der Zukunft. So stehen wir heute hier – mit Dankbarkeit für das Vergangene und mit Verantwortung für das Kommende. … Das ist unsere Stadt. Das ist unser Versprechen. Vielen Dank und ein herzliches Glückauf für die nächsten 100 Jahre!“
Die begeisternde Rede des Stadtrates schloss die Feierstunde ab, die dann im Oberen Ratssaalfoyer ausklang. Zuvor hatte der Historiker Martin Lochert im Ratssaal die sehr viel ältere Geschichte der Stadt rekapituliert. Mit dem Zitat „Die Waffen ruhn“ war schließlich am 1. April 1926 der Schlusspunkt einer langen verbalen Debatte gesetzt, wie der Gemeindezuschnitt der Stadt Castrop-Rauxel aussehen sollte. Auch die Nachbarstädte waren in die „Umgemeindung“ eingebunden. Mit Waltrop, Herne und Dortmund gab es u.a. Gebietsverschiebungen. Marcel Mittelbach, Bürgermeister von Waltrop, nahm deshalb ebenso an der Jubiläumssitzung teil, wie Bürgermeister Norbert Schilff aus Dortmund. Bodo Klimpel, Landrat des Kreises Recklinghausen, zu dem Castrop-Rauxel seit 1975 gehört, beglückwünschte die Stadt zum 100. Geburtstag und zu mehr als 50 Jahren Zugehörigkeit zum Kreis. Er bescheinigte der Stadt eine Partnerschaft mit dem Kreis, die von Verlässlichkeit und gegenseitigem Respekt getragen sei. Bürgermeister Rajko Kravanja stellte die Aufgaben des ehrenamtlich tätigen Stadtrates in den Vordergrund als Bindeglied zu Bürgerinnen und Bürgern, als Baustein der Demokratie und Gestalter der Kommune im Auftrag der Castrop-Rauxeler.
Kurzweilig wurde die Veranstaltung durch mehrere Einspieler. Geburtstagsgrüße, aufgenommen beim Ehrenamtsempfang des Bürgermeisters am Jahresanfang, durch KI animierte Fotos aus mehreren Jahrzehnten Ratsgeschichte und insbesondere durch einen szenisch vorgetragenen Dialog mit historischen Statements aus Zeitungen, stenografischen Berichten und Protokollen der frühen zwanziger Jahre. Henrike Tönnes und Thomas Hünerfeld, beide Sprecher, Moderatoren bzw. Schauspieler, schlüpften in die zeitgenössischen Rollen und machten mit Anekdoten um die Gemeindegrenze im Operationssaal des Rochus Hospitals oder dem Rauxler Bahnhof, an dem damals vier Verwaltungsgrenzen aneinandergrenzten, die Geschichte lebendig. Zusammen formten die stellvertretende Bürgermeisterin Kartin Lasser-Moryson, Altbürgermeister Johannes Beisenherz und Bürgermeister Rajko Kravanja dann mit Plakaten den neuen Stadtnamen Castrop-Rauxel. Eine Foto-Schau und die Ausstellung „100 Jahren Castrop-Rauxel“, die von Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen der „Mitmach-Pakete“ ausgeliehen werden kann, rundeten den Festakt unter blau-gelben Wimpeln im Ratssaal ab.
Neben vielen Veranstaltungen, die von Vereinen, Organisationen und Gruppen zum 100. Stadtgeburtstag iniitiert werden, wartet Ende Mai ein weiteres Jubiläum auf die Castrop-Rauxeler: vom 22. bis 30. Mai bietet die Stadthalle zu ihrem 50. Geburtstag und die Stadtverwaltung eine Festwoche am Stadtmittelpunkt mit Disco am Ratssaal, Micky Beisenherz, dem Kindertheaterstück „Das Ruhrgebiet ist meins“ und einem kostenlosen Familienfest am 30. Mai mit u.a. einem großen Bühnenprogramm und einem Bandabend.
Möglich ist die Gestaltung der Festwoche mit Hilfe von Unterstützern: Bestattungen Kullick, GASTROMATIX GmbH & Co. KG, GLOBUS Markthalle, Sparkasse Vest Recklinghausen, Unternehmen der Stadtfamilie, AWO, Nationale Projekte des Städtebaus.
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