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Lichtblicke in dunklen Zeiten
Foto: Marco Stepniak

Lichtblicke in dunklen Zeiten

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Sabine Raupach-Strohmann

Nach dem Unfalltod ihrer Tochter setzte sich Heidrun Behrend intensiv mit Trauer auseinander. Ihr Wissen gibt sie heute weiter – als einzige Familientrauerbegleiterin in Castrop-Rauxel.

„Erwachsene und Kinder trauern anders. Entsprechend individuell ist die Trauerarbeit für alle Familienmitglieder“, erklärt Heidrun Behrend. Die Familientrauerbegleiterin wurde vor 15 Jahren von jetzt auf gleich mit Verlust und Trauer konfrontiert. Im November 2011 starb ihre damals fast 14-jährige Tochter als Beifahrerin bei einem Autounfall. Jahrelang trug die trauernde Mutter schwarz, funktionierte nur, lebte im Ausnahmezustand. „Viele Jahre fühlte ich mich schuldig, Angelina nicht beschützt zu haben.“ Irgendwann fand sie einen kleinen Trost in dem Gutachten, dass ihre Tochter schon vor dem Aufprall auf den Baum an einem Herzstillstand gestorben war, also nicht leiden musste. „Ihr Schutzengel hat das Schlimmste verhindert.“

Heidrun Behrend suchte sich psychologischen Rat, ging offen mit ihrer Trauer um. Als sie für die beste Freundin ihrer Tochter Hilfe suchte, stieß sie nach langer Recherche auf die Gründerin der Familientrauerbegleitung, Mechthild Schroeter-Rupieper, in Gelsenkirchen. Heidrun Behrend besuchte nicht nur ihre Fortbildungen zum Lavia-Lebensweg- und Trauermodell, sondern auch einen Zertifikatskurs Trauerbegleitung an der Universität Duisburg-Essen. „Ich habe sehr viel über mich, Trauer und Trauerbegleitung gelernt.“ Trauer erlebt zu haben, qualifiziere noch lange nicht dazu, anderen helfen zu können – „und schon gar nicht Kindern und Jugendlichen“.

Trauerbegleitung mit Gütesiegel

Heidi Behrend gab ihren Job als Tagesmutter auf und arbeitet seit einigen Jahren als Bestatterin. Nebenberuflich hilft sie jetzt mit ihrer qualifizierten Familientrauerbegleitung mit Gütesiegel Kindern, Erwachsenen und Familien bei der Trauerbewältigung. Ihr gemütliches, ruhiges Beratungszimmer in der alten Villa an der Wittener Straße 61 bietet den passenden geschützten Raum. Mit unterschiedlichen Methoden bringt sie die Gespräche in Gang, die helfen sollen, die Trauerzeit gut zu verarbeiten. „Ich komme aber auch nach Hause, gehe gerne spazieren – dabei fließen die Gedanken von selbst.“

Nach einem Verlust glauben wir, unser gebrochenes Herz wird nie wieder heilen. Doch die Trauerbegleitung vermittelt, dass die alles überlagernde Trauer vergeht. Was bleibt ist eine Narbe, die an Jahrestagen, Geburtstagen, Feiertagen, bei bestimmter Musik wieder schmerzhaft aufbricht. „Bei mir zum Beispiel, wenn ich junge Mütter sehe und weiß, dass meine Tochter das nie erleben wird.“

Fester Platz für Trauer

Die Trauerbegleiterin versucht zu erklären, dass die Trauer so lange bleibt, wie die Liebe zu dem verlorenen Menschen. Man darf sie nicht verdrängen, sondern ihr einen festen Platz im eigenen Leben geben, ohne dass sie den Alltag bestimmt. Und man sollte auf sich achten, tun, was einem guttut. „Meine Tochter hat mir durch ihren Tod bewusst gemacht, wie wertvoll das Leben ist! Man darf wieder Freude zulassen, wieder lachen, aber die Trauer bleibt – ein Leben lang!“

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