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Sich selbstbewusst spielen
Schlüpfen in ihrer Freizeit in andere Rollen: v. l. Joulina Pätzold (20), Denise Holtermann (18) und Hanna Leßmöllmann (18): Zu sehen sind sie am 24. April in „Das Gewicht der Ameisen“ sowie am 2. und 3. Mai in „Night of the Greecs“ jeweils im WLT-Studio. Foto: Volker Beushausen

Sich selbstbewusst spielen

Lesedauer: ca. 2 Min. | Text: Angelika Herstell

Junge Laienschauspieler schlüpfen bei den „Spielclubs“ oder der Gruppe „Gen_eratiös“ des Westfälischen Landestheaters in andere Rollen. Die Stücke laufen beim „Bühnensturm“ im April und Mai.

Sie sind keine Diven oder Rampensäue, sondern eher schüchtern und zurückhaltend. Auch haben sie als Berufswunsch nicht Schauspielerin, sondern Erzieherin oder Ergotherapeutin. Und doch sind sie Hobby-Schauspielerinnen mit Leidenschaft: Denise Holtermann (18), Hanna Leßmöllmann (18) und Joulina Pätzold (20). Sie sind in den Spielclubs des Westfälischen Landestheaters aktiv. Hanna und Joulina im Jugendclub für Menschen ab 13 und Denise bei „Gen_eratiös“, wo alle volljährig, aber sonst ganz unterschiedlichen Alters sind. Dieses Jahr bringen sie „Night of the Greeks“ auf die Bühne. Denise, die gerade Bundesfreiwilligendienst in einem Kindergarten leistet, verkörpert die Aphrodite. Da die Göttin der Liebe hauptsächlich mit anderen Göttern im Himmel verkehrt, sind die Bühnenoutfits weiß. Denise steht das hervorragend. Im wahren Leben ist sie lässiger gekleidet und tanzt außerdem HipHop. Das hilft ihr als griechische Göttin natürlich nicht konkret, aber die Tanzroutine macht sie auf der Bühne sicherer, die Bewegungen vielleicht geschmeidiger.

Sich selbst neu kennenlernen

Mit Joulina und Hanna hat sie gemein, dass sie gerne in andere Rollen schlüpft und sich so immer neu kennenlernt. Im aktuellen Stück des Jugendclubs „Das Gewicht der Ameisen“ spielt Joulina sogar einen jungen Mann, der für die Umwelt kämpft und unter Alpträumen leidet. Es geht u. a. um Klimawandel und die Vermüllung der Meere. Weltuntergangsstimmung. Die jungen Darsteller bewegen sich zwischen jeder Menge Unrat: Weggeworfener Kleidung, Plastikstühlen, Tüten und Puppen. Joulina, alias Oliver, sagt: „Die Welt geht unter“. Und auch Hanna ist in ihrer Rolle sichtlich entsetzt. Das kommt schon bei der Probe überzeugend rüber. Joulina, die eine Ausbildung zur Erzieherin macht, erzählt, dass sie durch das Schauspielern selbstbewusster geworden sei. Und ein wenig liebäugelt sie manchmal schon damit, Schauspielerin zu werden. „Aber da reinzukommen, ist total schwierig.“

Mut zur Improvisation

Auch Hanna ist bereits seit Jahren im Jugendclub. Geprobt wird einmal wöchentlich zwei Stunden lang. Der zierlichen jungen Frau kann man kaum glauben, dass sie beim letzten Stück jemanden laut anschreien musste. Aber scheinbar hat´s geklappt, weil man eben auf der Bühne in seine Rolle schlüpft. Hannas zweites großes Hobby ist das Aquarell malen. Sie geht noch zur Schule und möchte Ergotherapeutin werden. Was allen drei Hobbyschauspielerinnen viel Spaß macht, sind die Improvisationsübungen zum Warm machen; etwa zu spielen, dass man mit wechselnden Mitreisenden in einem Zugabteil sitzt. Wer steigt ein, wer steigt aus? Diese Frage ist so spannend wie im Leben.

Die Teilnahme an einem Spielclub oder bei Gen_eratiös ist zu Beginn jeder Spielzeit nach einigen „Schnupperproben“ möglich. Der Kick-off für die Spielzeit 2026/2027 ist im September 2026. Die Spielclubs des WLT fördert die Gesellschaft der Freunde des WLT e. V. 

Info
Westfälisches Landestheater

www.westfaelisches-landestheater.de

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